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Sonntag, 20. Dezember 2009

Interview mit der "Weihnachtstante" Elke Bräunling und dem Nervzwerg




Fotos: Elke Bräunling Auch eine "Weihnachtstante" wie Elke Bräunling braucht eine Muse. In Elkes Fall scheint es sich dabei um den vorwitzigen Nervzwerg zu handeln, der uns im Interview ständig dazwischen quatschte - ein vorlauter kleiner Kerl mit einem gesunden Selbstbewusstsein...



Pressemitteilung auf Openpr.de hier
Pressemitteilung im Offenen Presseportal hier



Die Vita



Elke Bräunling, Jahrgang 1959, arbeitet in erster Linie als freie Autorin und engagierte Journalistin. Seit dem Studium (Geschichte, Geografie und Rechtswissenschaften) schreibt sie Songtexte und Geschichten für Klein und Groß. Mittlerweile stammen mehr als 60 Kinder- und Sachbüchern (sowie Romane unter ihrem „Alter Ego“).aus ihrer Feder. Ihr Engagement gilt besonders Kindern, die unter Schulängsten und Mobbing leiden, und der Musik.
Elke Bräunling ist für mich – auch – eine Weihnachtsautorin, weil sie sich mit ihren Arbeiten auf unterschiedliche und höchst kreative Weise mit dem Thema „Weihnachten“ auseinandersetzt.



Ein gutes Beispiel dafür ist ihr Geschichtenblog: http://elkeskindergeschichten.blog.de/ , auf dem beinahe täglich eine neue Weihnachtsgeschichte für Groß und Klein nachgelesen werden kann. Ideal für alle, die dringend Nachschub benötigen. Geschichten (und Musik) zum Download erhältlich in allen gängigen Downloadportalen sowie HIER: http://kinderlieder.soforthoeren.de/category.326.Elke-Braeunling--Paul-G-Walter.html



Auf die Frage, auf welches ihrer vielen Werke sie hier im Blog gerne hinweisen möchte, antwortete sie mir: "Ich nenne passend für die Zeit so kurz vor Weihnachten lieber 3 Geschichten, alle zu finden in meinem Weblog (bitte einfach die Titel anklicken):
Was meine Leser am liebsten mögen und wonach am häufigsten gefragt wird: „Der kleine Sternenengel und die Hoffnung“ Was ich am liebsten mag: „Das Christkind im Kirschbaum“ Was wir beide am liebsten mögen, Leser, Kunden und ich: „Die rechte Weihnachtsfreude“ .





Das Interview



Liebe Elke, ein herzliches Willkommen auf SweetLittle50. Hier steht zurzeit jeder Beitrag unter dem Motto "Weihnachten", allerdings sehr traditionell. Dich hingegen kenne ich schon seit vielen Jahren als kreative und erfolgreiche Weihnachtsgeschichtenerfinderin.
Liebe Marte, zunächst einmal danke ich herzlich für die Einladung zum „Weihnachts“-Interview. Es macht mir eine große Freude, dir und deinen Lesern ein wenig aus einem meiner vielen Autorenleben, dem der „Weihnachtstante“ nämlich, zu erzählen.


„Hey, halt, vergiss mich nicht bei der Sache! Ja ja und stell mich gefälligst vor!“


Ach, du schon wieder. Augenblick. Ich verbessere mich. Also, liebe Marte, du siehst, ich bin nicht alleine. Mein Freund, der Weihnachtszwerg, möchte auch an dem Interview teilhaben. Wäre das machbar?


„Klardoch. Und ver-ver-vergiss nicht zu sagen, dass ich nur jetzt ein Weihnachtszwerg bin. Ich kann nämlich auch ein Schneezwerg sein, ein Winterzwerg, ein Faschingszwerg, ein Angstzwerg, ein Osterzwerg, ein ...“


Klappe! Benimm dich! Wir sind öffentlich hier, du Zwerg. Und vorstellen muss ich dich jetzt, denke ich, nicht mehr. Das hast du selbst schon getan.“


„Jjjjjaaaaa. Einer hier muss ja mitdenken.“


Dass du auch ein „Nervzwerg“ bist, hast du vergessen zu sagen. Und jetzt sei still. Ich muss mich konzentrieren.


„Bin immer still.“


Psssst ...


„Halt! Halt! Eines muss ich noch fragen: Hast du auch einen Zwerg, Frau Marte?“


Grmpffff ... Beachte ihn nicht, Marte. Er gehört halt – irgendwie – dazu, wenn es um Kindergeschichten geht. Und im Prinzip sind einige deiner Fragen damit zum Teil auch schon beantwortet ...



Seit wann schreibst Du Weihnachtsgeschichten speziell für Kinder und wie kam es dazu?
Mit Weihnachten fing witzigerweise mein Leben als Autorin an. Eine Lebensrichtung, die ich mir vorab nie vorgestellt – und auch nicht wie viele meiner Kollegen - je erträumt hatte. Ich wollte nämlich Musikerin werden. Oder Gärtnerin. Beides scheiterte. Ersteres am Veto des Gutachterarztes des Konservatoriums, der mir nach bestandener Aufnahmeprüfung zu schwache Handgelenke attestierte. Letzteres am strikten Nein meiner Eltern. Nun ja. So studierte ich etwas ziellos vor mich hin, u.a. Geschichte (mit Magisterabschluss) und Rechtswissenschaften. Letzteres gab ich kurz vor Examen auf, weil mir u.a. Weihnachten in die Quere kam. Es fing ganz harmlos an. Mein Lebensgefährte, der damals als Musiker beruflich alle nur erdenklichen Musikrichtungen ausprobierte, befand sich gerade in seiner sog. „ernsthaften“ Phase und arbeitete im Sommer als Assistent von Leonard Bernstein bei den jeweiligen Festspielen und als Kirchenmusiker in den Wintermonaten. Eines Tages nun bat er mich, flehentlich fast, ihm beim Schreiben und Komponieren eines kritischen Weihnachtsspiels zu helfen. Komponieren? Ja, das konnte ich mir vorstellen. Aber schreiben? Ich mit meiner chronischen Vier in Deutsch? Schreiben sollte ich eigentlich ein Referat für die Uni – und ich schrieb dann jenes kritische Weihnachtsspiel. Und weil dieses Spiel zu kurz ausfiel, bastelte ich eine weihnachtlich etwas triefende Geschichte, die der Hauptdarsteller im Spiel erzählte, mitten ins Spiel hinein. Die schlaue Lösung einer schreibfaulen Studentin. Und ... das Spiel und vor allem die „eingeflickte“ Geschichte wurden quasi über Nacht bekannt und ehe ich mich versah, sollte ich weitere Weihnachtsspiele, Songtexte, Geschichten schreiben. Und wieder ehe ich mich versah, hielt ich eigene Bücher in den Händen und konnte es eigentlich lange Zeit nicht fassen und auch nicht ernst nehmen.
„Hey, halt. Hihi. Das hab ich gut gemacht damals, nicht wahr? Aber sag, hast du es eigentlich heute begriffen?“


Diese Frage, Zwerg, stell mir bitte in zehn Jahren oder so noch einmal. Danke.


„Psssst. Sie wird’s nie begreifen. Psssssst.“



Was ist das Besondere, für Kinder zu schreiben? Wie gelingt es Dir, sie zu erreichen?
Diese Frage habe ich mir so nie gestellt. Ich denke auch nicht daran, für Kinder zu schreiben und speziell sie erreichen zu wollen. Meine Texte richten sich an Menschen, und je nach Themenvorgabe denke ich mich in die Menschen der Zielgruppe hinein, stelle mich vor sie, schaue ihnen in die Augen, denke nach ... und schreibe. Und irgendwie muss ich dabei wohl auf wundersame Art abtauchen in eine andere Welt. Ich sehe dann mich als „Klein-Elke“ zusammen mit vier alten Herren, die meine Kindheit sehr bereichert und meine Fantasie zum Geschichtenträumen sehr geprägt hatten. Sie saßen oft zusammen, diese vier „Alten“, die im Herzen sehr jung geblieben waren und die immer Zeit für mich und meine Fragen hatten. Ich sehe sie auch jetzt in diesem Augenblick vor mir, wie sie da gemütlich im hinteren Stüberl eines Hotels am Fuße des Wendelsteins sitzen und vor einem Glas Wein philosophieren: Mein pfälzisch/französisch angehauchter Großvater, mein baltischer Großonkel Nicki (ihm gehörte das Hotel), der zuweilen leicht sächselnde („Nenn“-)Onkel Erich (Kästner) und der bayerische Autor humoriger Romane Jo Hanns Rösler. Oft sind Opa und ich dem Trubel zu Hause entflohen und in jenes Hotel nach Bayern gefahren – und „meine über alles geliebten vier Alten“ haben mich immer gleichwertig behandelt, so als sei ich die fünfte im Bunde und nicht ein kleines quengelndes Kind. Sie haben sich auf Augenhöhe mit mir unterhalten und mir Werte und Ideale vermittelt, die mich bis heute jeden Tag an sie alle erinnern lassen. Und von ihnen habe ich gelernt, dass man nie zu alt ist, um „Kind“ zu sein. Siehst du es auch, Marte? Das Bild von den vier Alten und dem kleinen Mädchen, das wissbegierig alles beobachtet, aufschnappt, aufnimmt, verinnerlicht? Und weißt du nun, woher jener „Nerv“-Zwerg, der auch jetzt neben mir sitzt und die Finger über die Tasten laufen lässt, stammt?


„Hey, hör auf zu schwärmen. Das interessiert hier doch niemanden!“


Bist du gefragt oder ich? Aber du hast Recht, Zwerg! Die Frage ist eigentlich beantwortet, oder?



Wer sind die größeren Fans? Die Kinder, für die Deine Geschichten bestimmt sind, oder die Erwachsenen, die Deine Geschichten mindestens ebenso gerne lesen?
Fans? Sagen wir lieber, die Leser und/oder Zuhörer meiner Geschichten. Damit kann ich besser umgehen, ja, und irgendwie ist diese Frage schon oben beantwortet, denn ich schreibe nicht für Kinder und nicht für Erwachsene. Ich schreibe für Menschen, die gerade Lust auf eine Geschichte oder eine Erzählung oder ein Lied haben. Und da die Nachfrage anhält, denke ich mal, dass der eine oder andere Text auch gut ankommt, sei es bei einem kleinen oder einem großen Menschen.
„Oder bei einem Zwerg!!!! Hörst du?“


Natürlich. Nun nun geh ein bisschen spielen, Zwerg! Draußen scheint die Sonne.



Auf Deinem Kindergeschichtenblog http://elkeskindergeschichten.blog.de veröffentlichst Du fast täglich eine neue Weihnachtsgeschichte und dies bereits seit 2007. Woher nimmst Du Deine immer neuen Ideen?
Nun, diese Frage kann nur der Zwerg beantworten, und der ist gerade mal kurz nach draußen gelaufen. Sonne gucken. Ganz sicher bringt er mir wieder eine Handvoll Ideen von seinem Kurzausflug mit. Die Vorbereitung eines Buches, das Weihnachten erscheinen soll, braucht einen längeren zeitlichen Vorlauf.



Wie bringst Du Dich zur "unpassenden" Jahreszeit in Weihnachtsstimmung?
Gegenfrage: Was ist „Weihnachtsstimmung“? Für mich ist „Weihnachtsstimmung“ eines jener Schlagworte, das bestimmte Erwartungen beinhaltet. Erwartungen, die meist mit Enttäuschungen enden. In der Fantasie, der Vorstellungskraft, findet das Leben auf einem ganz anderen Level statt. Einem Level, der sich in der Wirklichkeit nur schwer, oft nie, erreichen lässt. Aber jene übersteigerte Fantasie ist es auch, die es möglich macht, im sonnenwarmen Wonnemonat Mai beispielsweise ein Märchen über einen Engel, der sich auf die große Lichtertanne am Weihnachtsmarkt verirrt, zu schreiben. Und sollte sie einmal im wohl verdienten „Weihnachtsurlaub“ sein, die Fantasie, so gibt es noch den Zwerg, den du schon kennen lernen durftest oder, mein Dauertipp an alle, die Natur. Sie hält ein Füllhorn an Ideen bereit, so man sie denn zulässt – und das ist kein Klischéedenken. Mit Verlagen hatte ich eigentlich immer in der „richtigen“ Winterzeit über neue Weihnachtsprojekte verhandelt. Ein Jahr Vorlauf ist hier üblich. Auch in diesem Jahr steht ein Weihnachtsbuch für 2010 bereits fest. Ja, und meine verlagsfremden Abnehmer klopfen – passend mit den ersten Lebkuchen im Supermarkt – ab September bei mir an. Und sie klopfen noch immer. Nun, wir haben ja auch noch gut 10 Tage Zeit bis zum Fest ...



Haben sich Deine Geschichten mit wachsender Lebenserfahrung verändert? Oder anders gefragt, hast Du das Bedürfnis, Deinen Lesern eine Botschaft mit auf den Weg zu geben?
Offen gesagt möchte ich nur eines: Unterhalten. Und wenn diese Unterhaltung Freude bringt oder Rührung oder Erinnerungen, so bin ich es, die sich am meisten darüber freut.
„Da bin ich wieder. Hast du geglaubt, du hättest jetzt „zwergenfrei“? Mitnichten, so lange es mich Wicht gibt. Und wie ich sehe, komme ich gerade im richtigen Augenblick.“


Wie meinst du das, du Nervzwerg?


„Du schummelst dich um die Frage mit der ‚wachsenden Lebenserfahrung’. Hihi. Habe ich dich erwischt?“


Hast du. Und nein, ich schummele nicht. Ich wollte gerade ...


„Ha! Sag’s nicht! Sag’s nicht! Wer ‚Kind’ ist bleibt ‚Kind’ und das ist auch gut so.“


Das haben meine vier „Alten“ auch immer gesagt und ich finde, es ist ein würdiges Schlusswort.



Magst Du uns verraten, was für Dich persönlich "Weihnachtsfreude" bedeutet?
Das, Marte, hat der Zwerg gerade gesagt. In sich selbst ruhend Kind bleiben und immer zu sich selbst ehrlich sein, das bedeutet für mich gerade zur Weihnachtszeit, aber nicht nur da, das schönste Glück.


„Das hast du nun aber nett gesagt.“


Klar, du musst natürlich das letzte Wort behalten.


„Selbstredend...“



Liebe Elke, vielen Dank für dieses Interview. Ich wünsche Dir und Deinem Mann ein harmonisches Weihnachtsfest und für 2010 Gesundheit, Glück und Erfolg!
Das, liebe Marte, wünsche ich Dir und Deiner Familie, auch – und ich schicke dir ein leises Lächeln dazu.


„Ja, ha-a-a ... Und auch von mir „Fro-ho-ho-e Weih-h-h-nacht, Ma-ha-a-rte! Und tschü-hü-üüüs!“


PS: Pssst!!! Sorry, Marte, er kann seine vorwitzige Klappe einfach nicht halten. Also, tschüs dann.

Montag, 9. Februar 2009

Birgit Fuchs: Humor ist der beste Katalysator fürs Aushalten und Gelingen

www.birgit-fuchs.com

Pressemitteilung: openpr.de
offenespresseportal.de


Birgit Fuchs:
Autorin und Künstlerin, wurde 1961 in Augsburg geboren.

Nach dem Abitur studierte sie Pädagogik, Kunst und Psychologie und entschloss sich, Lehrerin zu werden. Ihre drei eigenen Kinder, die in kürzest möglichern Abständen das Licht der Welt erblickten, wurden zu ihren liebsten Forschungsprojekten. Im Jahr 1995 erschien der erste Ratgeber in Sachen Kinderbeschäftigung. Ihr erster Liebesroman erschien unter dem Titel "Lieber Männer mit Macken als gar nichts zu lästern" im Sieben Verlag.

Das Malen hat Birgit Fuchs neben ihrer Arbeit als Autorin nie aus den Augen verloren. Ihre farbstarken Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen zu bewundern.



ISBN:978-3-940235-10-7

Preis: 14,90Euro, 184 Seiten
bestellbar bei www.buecher.de

Produkt-Deeplink


Das Interview:

Liebe Birgit, herzlich Willkommen auf SweetLittle50. Du hast nicht eine Sekunde gezögert, mit mir über die magische Zahl 50 im Leben einer Frau zu reden - dabei fehlen dir selbst noch ein paar Jahre bis dahin. Hast du denn gar keine Angst vor dem Älterwerden?

Birgit Fuchs: Ich zögere selten bis gar nicht, wenn mich eine Sache spontan anspricht. Da ich ein sehr begeisterungsfähiger Mensch bin, führt das natürlich dazu, dass ich in sehr vielen und unterschiedlichen Angelegenheiten unterwegs bin. Entweder von der Denke her, was oftmals verbunden ist mit längeren Telefonaten, in denen ich mich mit „meinen Weibern“ darüber berate, oder eben ganz konkret. So wie bei der Ankündigung Deiner Website. Und nein, ich habe keine Angst älter zu werden, sondern gruselige Panik davor, krank zu werden. Ich finde, es reicht einem ja so schon bis obenhin. Nein, ich würde eher sagen, dass mich das Älterwerden verärgert. Oder dass es mich wehmütig stimmt. Ärger deswegen, weil es sehr ungerecht ist, ein Gehirn, das seit knapp 50 Jahren emsig täglich dazu gelernt hat, irgendwann auf seinem reifsten Stand verabschieden zu müssen, wenn es dann hinab geht. Schade drum. Denn am Ende des Älterwerdens steht ja nun mal unausweichlich der Tod. Und Wehmut darüber, dass ich dann nicht mehr alles mitkriege an Schönem, Liebgewonnenem, Interessantem usw. Ein scheußlicher Gedanke.
Naja, wenn ich mir das alles nochmal durchlese, könnte es direkt sein, dass ich doch Angst habe vor dem Älterwerden? Tja, wer hätte das gedacht!


In deiner Brust wohnen mehrere Seelen - du bist Autorin, Künstlerin, Mutter, Partnerin. Wie bekommst du all diese unterschiedlichen Talente und Aufgaben unter einen Hut? Woher nimmst du die Zeit und die Kraft?

Birgit Fuchs: Dazu kann ich nur sagen - ich habe eigentlich weder die Zeit, noch die Kraft! Beides hat zur Folge, dass ich ein aufbrausender Typ bin, wenn sowohl Plan A, als auch Plan B nicht funktionieren. Das heißt, die Kinder oder der Mann erweisen sich trotz mehrstündiger und gesteigerter Bitten (Bitte, Forderung, Befehl, Drohung, Hysterie) wieder einmal als äußerst kontraproduktiv. Oder die Katze saß in den Farbpigmenten und macht eine stundenlange Reinigungsprozedur erforderlich. Denn zwangsläufig habe ich als Frau natürlich noch weitere Posten zu bekleiden, wie zB. den der Putzfrau, der Heilerin (keine Sorge, mein Schatz, ich w e i ß , dass alles gut wird), der Managerin (was tut man, wenn die asthmakranke Tante vor der Tür steht, der Meerschweinkäfig aber stinkt, gleich eine Lektorin anrufen wird und Kind Nummer 2 noch ein Kostüm für das morgige Schultheater braucht, in dem es die Rolle des Dativs spielen muss?), der Sexgöttin (naja, man tut, was man kann, aber nur wenn Zeit ist (s.o. J), der Köchin (angeblich immer zuviel, wird aber alles aufgegessen. Meist von mir…), der „Stimmungsverantwortlichen“, doch allmählich sehe ich das nicht mehr ein, schließlich sind alle nun alt genug, um selbst die Verantwortung für die nötigen Witze im Haus zu übernehmen. Und überhaupt - um wieder auf das Ausgangsthema zurück zu kommen: Ich habe keine Lust mehr auf Dinge, die mich nicht auch persönlich ein wenig weiter bringen. Ich reduziere sozusagen die Muss`s auf Kann`s, und wem es nicht passt, der hat Pech gehabt.


Wie schlägt sich deine wachsende Lebenserfahrung in deiner Arbeit nieder? Drückt sie sich in deinen Büchern und in deinen Bildern aus?
Birgit Fuchs: Eine angewachsene Lebenserfahrung drückt sich ganz sicher in allem aus, was man produziert. Wenn es denn dann authentisch ist und kein mechanisches Machwerk ist wie „Malen nach Zahlen“, oder Schreiben nach Schablonen. Das soll es ja auch geben. In pädagogischen Buchprojekten zeigt sich meine Erfahrung hauptsächlich darin, dass ich der Entwicklung von Haltungen, Entwicklung von kindlichem Wissen, Entwicklung emotionaler Intelligenz usw. eine viel längere Dauer einräume, als ich es als junger Mensch getan hätte. Oder als es heute vermutlich auch noch viele Lehrer tun. Mehr Toleranz und Zuversicht sind gefragt, eine mutige und positive Grundhaltung als tragfähige Wertemaßstäbe für Jugendliche (oder auch sture Anverwandte) müssten vorgelebt werden. Deswegen lass ich es gerne auch dahingestellt, wenn irgendwelche Fernsehpfarrer oder sonstige Moderatoren sich fröhlich vom Publikum verabschieden mit den Worten: „Passen Sie gut auf sich auf“. Ja bitte, warum denn nicht. Ich find das gar nicht so verkehrt. Das klingt jetzt recht heilig und superliberal, doch ich glaube daran. Nur klappt das mit der Umsetzung oftmals nicht so recht. Doch ich denke, die Grundeinstellung ist trotzdem spürbar. Gerade wenn man älter wird und der Zielvorstellung einer achtbaren Respektsperson näher kommt. Nur beim U-Bahnfahren sollte man vorsichtig sein…
In meinem ersten belletristischen Werk „Lieber Männer mit Macken als gar nichts zu lästern“ gehe ich allerdings wesentlich weniger zimperlich vor, was das männliche Geschlecht angeht. Denn da hab ich gelernt: Gebt jedem Mann die Chance, dasselbe zu leisten wie eine Frau! Auch hier hege ich zwar den festen Glauben daran, dass sich schon irgendwann alles fügen wird - nur würde ich mir gerne ein deutlich rascheres Tempo wünschen.
In meinen Bildern komme ich immer wieder auf die Grundmotive der „Landschaften mit Weg/Gewässer“ zurück, für mich ein Sinnbild für die geschenkte Natur und die verpflichtende Suche nach Orientierung und Lebensfreude, und auf das einladende Motiv der Früchte. Als Symbol der Fruchtbarkeit, Geselligkeit oder der Ernte des Lebens…

Bei deinen Bildern, die man auf deiner Homepage www.birgit-fuchs.com betrachten kann, überwiegen kräftige Farben. Umso stärken fielen mir die gedämpften Farben einiger weniger Bilder auf. Kennzeichnen diese Werke vielleicht spezielle Abschnitte in deinem Leben?

Birgit Fuchs: Ich male in der Regel nur dann, wenn die Motivation in mir hoch ist, ein inneres Bild zum Ausdruck zu bringen. Dazu benötige ich sehr viel Energie, diese Energie kann dann sogar auf den Betrachter übergehen. Man kennt ja die physiologisch und psychisch beobachtbaren Reaktionen von Menschen auf bestimmte Farben. Wenn auf meiner Homepage Bilder mit schwächeren Farben auftauchen, dann sind sie fast ausnahmslos im Anschluss an ein vorheriges Bild entstanden, und die Kraft stand nicht mehr in derselben Menge zu Verfügung.


Du bist Mutter von drei Töchtern. Welches Lebensmotto versuchst du ihnen mit auf den Weg zu geben?

Birgit Fuchs: Alles ist ein Prozess und der Wandlungsfähigkeit unterworfen, Geht nicht gibt’s nicht, und: Humor ist der beste Katalysator fürs Aushalten und Gelingen.
Und ganz wichtig: Freude! Wenn es Sommer ist, freu ich mich auf den Herbst, wenn es Herbst ist, auf den Winter und den Frühling, usw.


Bist du in deinem Arbeitsalltag schon einmal auf Vorurteile gestoßen, was dein Plus an Lebenserfahrung angeht? Oder ziehst du umgekehrt sogar Vorteile daraus?

Birgit Fuchs: Im Arbeitsalltag stoße ich immer wieder auf „Vorurteile“, allerdings verstecken sich diese Vorurteile gerne hinter Gesichtsfassaden jüngerer oder unreifer Geschlechtsgenossinnen, die geprägt sind von Blasiertheit, wenn sie nicht verstehen, was man meint, oder sie begegnen einem in Form von versuchten Spötteleien, die nicht selten auf Neid basieren. Neid allein schon darüber, dass der andere eine eigene Meinung h a t und sogar noch in der Lage ist, dieselbe zu vertreten. Da steigen viele bereits schon inhaltlich aus, weil sie sich zu sehr auf Äußerlichkeiten stürzen. Aus diesem Grund gehen auch viele Leute den sicheren Weg des Klischees und des belanglosen Smalltalks. Deshalb gewöhne ich es mir zusehends an, Zeit und Gefühle nur noch in jene erwachsenen Leute zu investieren, die aufrichtig sind.


Stell dir bitte vor, du erhältst in einer Talkrunde mit namhaften Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien die einmalige Chance, alles zu sagen, was dir schon lange zum Thema „Frauen über 50“ auf dem Herzen liegt. Welches Anliegen ist dir am wichtigsten?

Birgit Fuchs: Ich würde den „Senat der weisen Brüste“ ins Leben rufen und dafür plädieren, dass Frauen über 50 – vorausgesetzt, sie fallen nicht unter die vorherige Kategorie - mit einer noch zu formulierenden Qualifikation bedacht werden, die sie in besonderem Maße in Sachen Reife, Weisheit, emotionaler Intelligenz, Frustrationstoleranz, Führungs -und Managerqualitäten und Kreativität ausweist und damit zu begehrten und hoch dotierten Beratungskräften für Großbetriebe werden lässt.

Was fällt Dir zum Stichwort „ewige Jugend“ ein? Wie weit würdest Du gehen, um sie Dir zu erhalten?

Birgit Fuchs: Wenn mein Augenlid über die Manuskriptseite hängt, lass ich es definitiv abschneiden. Wenn die Ärzte eine unkomplizierte und narkosefreie Methode zur Entfernung des Truthahnhalses entwickeln, gehe ich vielleicht auch hin, aber solange folge ich dem Rat meiner entzückenden Töchter, die kürzlich meinten: „ Mama, zieh nen Schal an, das wirkt jünger.“

Was verbindest Du mit dem Begriff, Schönheit des Alters?

Birgit Fuchs: Schön? Was ist schön. In der Malerei ist der Begriff verpönt. Schönheit ist sehr relativ. Ich würde sagen, es sind die Möglichkeiten des Alters, die bestechen. Die Freiheiten, Individualitäten und Möglichkeiten, die man sich erarbeitet hat oder die man besitzt aufgrund seiner gemachten Erfahrungen, sowohl geistig, als auch ethisch-moralisch und sozial. Es ist die Persönlichkeit, die jemand erworben hat, die von innen her beleuchtet wird. Von daher strahlen manche Menschen mehr und manche weniger, würde ich meinen.

Als Gast einer Talkshow im Fernsehen darfst Du alles zum Thema „Frau von 50“ sagen, was Dir auf dem Herzen liegt. Leg los!

Birgit Fuchs: Ich würde den Moderator tippen lassen: Welche Besucherin ihrer Talkshow ist ab 50? Und schon wäre alles gesagt. Ich glaube niemals, dass der Knabe auch nur zu 40% richtig läge. Denn was früher einmal Frauen ab 50 waren, sind heute Frauen ab 60 oder70. Ab-Fünfzigerinnen heutzutage sehen anders aus, verkörpern ein ganz anderes Selbstverständnis, kriegen erst mit 43 ihre Kinder und stehen in der Lebensblüte. Frauen ab 50 legen überhaupt erst richtig los!

Liebe Birgit, vielen Dank für dieses Interview. Als Musikwunsch hast du dir Walking in Memphis von Cher ausgesucht. Bitte schön:



Montag, 27. Oktober 2008

Interview mit der Schriftstellerin Gabriela Galvani

Heute erleben wir eine Premiere.

Ab sofort lade ich mir gelegentlich Gäste ein, um mit ihnen zu plaudern. Dabei steht das Thema "Frau und 50" natürlich im Mittelpunkt. Den Anfang macht die Schriftstellerin Gabriela Galvani, deren Roman "Die Seidenhändlerin" vor kurzem im Aufbau Verlag erschienen ist.

Zur Person:

Gabriela Galvani stammt aus einer Künstlerfamilie und wurde in Norddeutschland geboren. Sie wuchs in Lugano auf, wo sie eine Klosterschule besuchte, später lebte sie auf einem Pferdehof bei Bremen und ging dann auf ein weltliches Gymnasium in München. Zunächst studierte sie Amerikanistik, ferner Kulturmanagement und Politikwissenschaften. Sie arbeitete lange als Redakteurin für die Printmedien sowie für Theater und im Musikmarketing.
Mit ihrer Familie lebte sie in Paris und Nizza, in München und Berlin. Inzwischen wohnt sie in einem kleinen Bergdorf oberhalb von Lugano. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter. Ihre Hobbies sind antiquarische Bücher und Geschichten, aber auch alte Filme, gutes Essen, Reisen in schöne Städte (vornehmlich in Italien) und Bildende Kunst. Derzeit arbeitet sie an einem neuen historischen Roman und recherchiert einen zeitgenössischen Krimi.



Neu: Die Seidenhändlerin - Kurzinhalt:

498 Seiten, Verlag: Aufbau Tb; ISBN-10: 3746624673
ISBN-13: 978-3746624679


Como 1796: In den Wirren der napoleonischen Besatzung schlüpft Laura Bossi in die Rolle ihrer auf mysteriöse Weise verstorbenen Zwillingsschwester. Als erfolgreiche Seidenhändlerin muss sie sich nun mit Schmugglern und den Freiheitsgedanken der Zeit auseinandersetzen und findet im Tessiner Verleger Francesco Agnelli ihre große Liebe. Doch dann will man ihr den Mord an der Schwester anhängen ...

Der Roman ist in jeder Buchhandlung erhältlich. Ihr könnt ihn direkt bestellen bei


buecher.de - Bücher - Online - Portofrei


Interview:

Das Gespräch mit der Schriftstellerin Gabriela Galvani habe ich im Oktober 2008 geführt.


Liebe Gabriela, ich freue mich sehr, dass Du Dich spontan zu einem Interview bereit erklärt hast. Was reizt Dich an der Auseinandersetzung mit dem Thema „Frau um 50“?
Der Jugendwahn. Obwohl die Menschen noch nie so alt geworden sind wie heute und sich ihre Jugend sehr viel länger erhalten können als je zuvor, erwecken die Medien den Eindruck, dass das pralle Leben mit spätestens 40 zu Ende ist. Das ist ein schrecklicher Widerspruch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es in der Geschichte tolle Frauen gab, die zu einer Zeit alt waren, als Alter wirklich noch alt bedeutete. Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts wie etwa Mary Wortley Montague oder George Sand hatten es ungleich schwerer als wir und waren dennoch mit 40, 50 und noch älter auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, akzeptiert, von berühmten, klugen Männern geliebt und von ihren Bewunderern geachtet. Einer Frau um 50 wird heutzutage doch das Gefühl vermittelt, sie müsse entweder dringend zum Seniorentreff oder sie habe keine Zeit mehr, etwas in ihrem Leben zu erreichen. Es mag der Spätsommer des Lebens sein, aber ganz gewiss nicht der Spätherbst, wie es häufig dargestellt wird.


Dein Lebenslauf liest sich bunt und aufregend. Trotzdem betonst Du gerne, dass Dein Leben eigentlich erst mit 39 Jahren begonnen hat. Kannst Du mir das genauer erklären?
Im Alter von 38 Jahren erkrankte ich ziemlich schlimm: Ich bekam die Grippe, die echte Influenza, keinen Schnupfen, und das endete mit einer schweren bakteriellen Lungenentzündung und einer Herzbeutelentzündung...

Hier geht das Interview mit Gabriela Galvani weiter. Bitte klicken.

Presse: Neue Ideen hat man auch mit 50

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Gabriela hat sich ein ganz besonderes Musikvideo gewünscht: Rod Stewart mit What a Wonderful World: