Samstag, 19. Dezember 2009

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

Foto: taschaklick/pixelio.de

Minus 12 Grad waren es heute Morgen beim Einkaufen. Wenn ich passend dazu das Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzern auf den Blog nehme, dann mit dem Hinweis, bei diesem Wetter verstärkt auf die Menschen zu achten, die sich nicht wie wir in ein schützendes Zuhause zurückziehen können. Achtsamkeit passt ganz wunderbar in die Weihnachtszeit, nicht wahr?

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern
von Hans Christian Andersen

Es war entsetzlich kalt; es schneite und es war beinahe dunkel, der letzte Abend des Jahres. In dieser Kälte und Finsternis ging auf der Straße ein kleines, armes Mädchen mit bloßem Kopf und nackten Füßen; ja, sie hatte zwar Pantoffeln angehabt, als sie von Hause wegging, aber was nützte das schon! Es waren sehr große Pantoffeln, ihre Mutter hatte sie zuletzt benutzt, so groß waren sie, und die verlor die Kleine, als sie über die Straße eilte, während zwei Wagen so erschreckend schnell vorbeifuhren. Der eine Pantoffel war nicht zu finden, und mit dem andern lief ein Knabe davon; er sagte, den könne er als Wiege brauchen, wenn er selbst einmal Kinder bekomme.

Da ging nun das kleine Mädchen auf den nackten, kleinen Füßen, die vor Kälte rot und blau waren. In einer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer, und ein Bund hielt sie in der Hand. Niemand hatte ihr den ganzen Tag hindurch etwas abgekauft; niemand hatte ihr einen kleinen Schilling gegeben. Hungrig und verfroren ging sie dahin und sah so eingeschüchtert aus, die arme Kleine! Die Schneeflocken fielen in ihr langes, blondes Haar, das sich so schon um den Nacken ringelte, aber an diese Pracht dachte sie wahrlich nicht. Aus allen Fenstern glänzten die Lichter, und dann roch es auf der Straße so herrlich nach Gänsebraten; es war ja Silvester- abend, ja, daran dachte sie!

Drüben in einem Winkel zwischen zwei Häusern, von denen das eine etwas mehr vorsprang als das andere, dort setzte sie sich hin und kauerte sich zusammen. Die kleinen Beine hatte sie unter sich hochgezogen; aber es fror sie noch mehr, und nach Hause zu gehen, wagte sie nicht. Sie hatte ja keine Schwefelhölzer verkauft, nicht einen einzigen Schilling bekommen. Ihr Vater würde sie schlagen, und kalt war es zu Hause, sie hatten nur eben das Dach über sich, und da pfiff der Wind herein, obwohl in die größten Spalten Stroh und Lumpen gestopft waren. Ihre kleinen Hände waren beinahe ganz abgestorben vor Kälte. Ach! Ein kleines Schwefelhölzchen könnte guttun. Wenn sie es nur wagen würde, eines aus dem Bund zu ziehen, es gegen die Wand zu streichen und die Finger zu erwärmen! Sie zog eins heraus, ritsch! Wie es sprühte, wie es brannte! Es war eine warme, helle Flamme, wie ein kleines Licht, als sie, es mit der Hand umschirmte. Es war ein seltsames Licht: dem kleinen Mädchen war es, als säße es vor einem großen, eisernen Ofen mit blanken Messingkugeln und einem Messingrohr. Das Feuer brannte so herrlich, wärmte so gut; nein, was war das! Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen - da erlosch die Flamme. Der Ofen verschwand, sie saß mit einem kleinen Stück des abgebrannten Schwefelhölzchens in der Hand.

Ein neues wurde angestrichen, es brannte, es leuchtete, und wo der Schein auf die Mauer fiel, wurde diese durchsichtig wie ein Schleier; sie sah gerade in die Stube hinein, wo der Tisch gedeckt stand mit einem blendendweißen Tischtuch, mit feinem Porzellan, und herrlich dampfte die gebratene Gans, gefüllt mit Zwetschgen und Äpfeln; und was noch prächtiger war: die Gans sprang von der Schüssel herunter, watschelte durch die Stube, mit Messer und Gabel im Rücken; gerade auf das arme Mädchen kam sie zu. Da erlosch das Schwefelholz, und es war nur die dicke, kalte Mauer zu sehen.

Die Kleine zündete ein neues an. Da saß sie unter dem schönsten Weihnachtsbaum; er war noch größer und schöner geschmückt als der, den sie bei der letzten Weihnacht durch die Glastür bei dem Kaufmann gesehen hatte. An den grünen Zweigen brannten tausend Kerzen, und bunte Bilder, gleich denen, welche die Schaufenster schmückten, sahen auf sie herab. Die Kleine streckte beide Hände in die Höhe - da erlosch das Schwefelholz; die vielen Weihnachtslichter stiegen höher und höher. Sie sah, jetzt waren sie zu den hellen Sternen geworden, einer von ihnen fiel und hinterließ einen langen Feuerstreifen am Himmel. »Jetzt stirbt jemand«, sagte die Kleine, denn die alte Großmutter, die einzige, die gut zu ihr gewesen, aber nun tot war, hatte gesagt: wenn ein Stern fällt, geht eine Seele hinauf zu Gott.

Sie strich wieder ein Schwefelhölzchen gegen die Mauer, es leuchtete ringsumher, und in dem Glanz stand die alte Großmutter, so klar, so schimmernd, so mild und lieblich.

»Großmutter«, rief die Kleine, »oh, nimm mich mit! Ich weiß, du bist fort, wenn das Schwefelhölzchen ausgeht, fort, ebenso wie der warme Ofen, der herrliche Gänsebraten und der große, gesegnete Weihnachtsbaum!«

Und sie strich hastig den ganzen Rest von Schwefelhölzern an, die im Bund waren. Sie wollte Großmutter recht festhalten; und die Schwefelhölzer leuchteten mit einem solchen Glanz,
daß es heller war als der lichte Tag. Großmutter war früher nie so schön, so groß gewesen; sie hob das kleine Mädchen auf ihren Arm, und sie flogen in Glanz und Freude so hoch, so hoch dahin; und dort war keine Kälte, kein Hunger, keine Angst, sie waren bei Gott.

Aber im Winkel beim Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen, mit einem Lächeln um den Mund - tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Neujahrsmorgen ging über der kleinen Leiche auf die mit den Schwefelhölzern dasaß, von denen ein Bund fast abgebrannt war. Sie hatte sich wärmen wollen, sagte man. Niemand wußte, was sie Schönes gesehen hatte und in welchem Glanz sie mit der alten Großmutter eingegangen war zur Neujahrsfreude.

Freitag, 18. Dezember 2009

Gedicht: Weihnachtslied von Theodor Storm

Foto: Dr. Gerhardt/pixelio.de
Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als die Kinder an Weihnachten vor dem Tannenbaum ein Weihnachtsgedicht aufgesagt haben. Erst danach wurde beschert.
Als ich selbst Kind war, gefiel mir dieser Brauch ganz und gar nicht. Die Ungeduld trieb mich um. Heutzutage krame ich vor dem Fest die alten Weihnachtsgedichte hervor, damit sie mir helfen, in weihnachtliche Stimmung zu kommen. Auch das Weihnachtlied von Theodor Storm gehörte einmal zu meinem Repertoire:

Weihnachtslied
von Theodor Storm

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Gedicht: Christkind im Walde

Ernst von Wildenbruch wurde am 3. Februar 1845 in Beirut/Libanon als Sohn des preußischen Generalkonsuls von Syrien geboren. Er starb am 15. Januar 1909 in Berlin. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er als Jurist und Diplomat.


Christkind im Walde

von Ernst von Wildenbruch

Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil'ge Kind erschien,
fing's an, im Winterwald zu blühn.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
"Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!"

Der Apfelbaum, er rüttelt sich
der Apfelbaum, er schüttelt sich,
da regnet's Äpfel ringsumher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm's,
und also zu den Menschen kam's.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!

Montag, 14. Dezember 2009

Weihnachtliche Schnellsprechsätze

Foto: S.Hofschlaeger/pixelio.de


Ein heiterer Zeitvertreib für Erwachsene und Kinder, die es bis Weihnachten kaum noch erwarten können, sind weihnachtliche Schnellsprechsätze. Wer kann diese Sätze am häufigsten hintereinander sprechen?
  • Wir Weihnachtswichtel wollen winters weiche Wolle weben, wenn Weben weicher Wolle Weihnachtswichtelwerk wäre.

  • Sieben seit sechs Stunden steinerweichend stöhnende Stiefelputzer stauben Stehaufmännchen Stiefelspitzen ab.

  • Lustige Lebkuchen locken listige Leckermäulchen.

  • Unter zimtbraunen Zipfelmützen zappelnde Zwuckelzwerge zanken, doch in rostroten Röckchen reitende raufen nie.

  • Weihnachtsmänner essen gerne Sahnewaffeln, Sahnewaffeln essen Weihnachtsmänner gern.

(entnommen: Das große bunte Weihnachtsbuch von Karin Jäckel/Marion Krätschmer)

Sonntag, 13. Dezember 2009

Heute wird das Luciafest gefeiert

Heute am 13.Dezember wird nicht nur in Schweden das Luciafest gefeiert. Der Ursprung des Festes ist nicht mehr so leicht zu rekonstruieren. Früher wurde an diesem Tag die Wintersonnenwende gefeiert. Heute erinnert er an die Heilige Lucia, ohne dass das Fest selbst besonders christlich geprägt ist.

Der Legende nach lebte Lucia zur Zeit der Christenverfolgung in Syrakus. Mit ihrer Mutter war sie dem neuen christlichen Glauben beigetreten. Den Christen war es verboten, eigene Gottesdienste abzuhalten, heimlich trafen sie sich in den unterirdischen Gängen von Rom. Lucia hatte die Aufgabe übernommen, Brot und Wein in die Katakomben zu schaffen. Da niemand zu ihrer Hilfe mitkommen konnte, sie aber beide Hände zum Tragen brauchte, flocht sie sich einen Haarkranz aus Lorbeer- und Stechpalmenzweigen und steckte viele Kerzen darauf. So hatte sie es hell auf ihrem Weg und tragen konnte sie auch.
Ein abgewiesener Freier verriet sie jedoch an die Soldaten. Man nahm Lucia gefangen, doch auch unter der Folter verriet sie ihre Glaubensgeschwister nicht. Diese vergaßen Lucia nie.

Noch heute backen die Kinder am 12.Dezember, dem Vorabend des Luciafestes Lucia-Brötchen und Ingwerkekse. Am folgenden Morgen verkleidet sich das älteste Mädchen im Haus mit einem weißen Gewand, das mit einer roten schärpe gehalten wird, als heilige Lucia. Auf ihrem Kopf trägt sie einen Lichterkranz aus Tannenreisig im Haar. Nun darf sie den übrigen Familienmitgliedern Kaffee und Lucia-Gebäck ans Bett bringen. Wen sie besonders mag, der erhält weißes Gebäck, die Lucia-Katzen. Wen sie weniger mag, der erhält Schokoladenkekse, die Teufels-Katzen.