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Mittwoch, 10. Februar 2010

Joachim Ringelnatz: Ich habe Dich so lieb

Ein kleiner Schatz zur später Stunde - Ich habe Dich so lieb von Joachim Ringelnatz:

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Gedicht: Das Christkind

Foto: Thommy Weiss/pixelio.de

Robert Reinick, 1805 bis 1852, war ein deutscher Maler und Dichter.

Das Christkind
von Robert Reinick

Die Nacht vor dem Heiligen Abend,
da liegen die Kinder im Traum.
Sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.

Und während sie schlafen und träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar.

Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heilge Christ.
Es ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist.

Und wie es durch den Himmel
still über die Häuser fliegt,
schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt.

Es freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind,
denn solche liebt von Herzen
das liebe Himmelskind.

Heut schlafen noch die Kinder
und sehen es nur im Traum.
Doch morgen tanzen und springen
sie um den Weihnachtsbaum.

Freitag, 18. Dezember 2009

Gedicht: Weihnachtslied von Theodor Storm

Foto: Dr. Gerhardt/pixelio.de
Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als die Kinder an Weihnachten vor dem Tannenbaum ein Weihnachtsgedicht aufgesagt haben. Erst danach wurde beschert.
Als ich selbst Kind war, gefiel mir dieser Brauch ganz und gar nicht. Die Ungeduld trieb mich um. Heutzutage krame ich vor dem Fest die alten Weihnachtsgedichte hervor, damit sie mir helfen, in weihnachtliche Stimmung zu kommen. Auch das Weihnachtlied von Theodor Storm gehörte einmal zu meinem Repertoire:

Weihnachtslied
von Theodor Storm

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Gedicht: Christkind im Walde

Ernst von Wildenbruch wurde am 3. Februar 1845 in Beirut/Libanon als Sohn des preußischen Generalkonsuls von Syrien geboren. Er starb am 15. Januar 1909 in Berlin. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er als Jurist und Diplomat.


Christkind im Walde

von Ernst von Wildenbruch

Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil'ge Kind erschien,
fing's an, im Winterwald zu blühn.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
"Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!"

Der Apfelbaum, er rüttelt sich
der Apfelbaum, er schüttelt sich,
da regnet's Äpfel ringsumher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm's,
und also zu den Menschen kam's.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!

Montag, 14. Dezember 2009

Weihnachtliche Schnellsprechsätze

Foto: S.Hofschlaeger/pixelio.de


Ein heiterer Zeitvertreib für Erwachsene und Kinder, die es bis Weihnachten kaum noch erwarten können, sind weihnachtliche Schnellsprechsätze. Wer kann diese Sätze am häufigsten hintereinander sprechen?
  • Wir Weihnachtswichtel wollen winters weiche Wolle weben, wenn Weben weicher Wolle Weihnachtswichtelwerk wäre.

  • Sieben seit sechs Stunden steinerweichend stöhnende Stiefelputzer stauben Stehaufmännchen Stiefelspitzen ab.

  • Lustige Lebkuchen locken listige Leckermäulchen.

  • Unter zimtbraunen Zipfelmützen zappelnde Zwuckelzwerge zanken, doch in rostroten Röckchen reitende raufen nie.

  • Weihnachtsmänner essen gerne Sahnewaffeln, Sahnewaffeln essen Weihnachtsmänner gern.

(entnommen: Das große bunte Weihnachtsbuch von Karin Jäckel/Marion Krätschmer)

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Verschneit liegt rings die ganze Welt




Foto: Jens Bredehorn/pixelio.de

Für das Wochenende ist Dauerfrost angesagt, echtes Winterwetter also. Hier in unseren Breiten ist wohl kaum mit Schnee zu rechnen, auch wenn er noch so gut zur Vorweihnachtszeit passt.


Verschneit liegt rings die ganze Welt

von Joseph von Eichendorff

Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht ein Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid zu Gottes Lob wird rauschen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Das Lied des Nussknackers

Foto: urulaia/pixelio.de

Zitat: "Ein Nussknacker ist ein Werkzeug zum Öffnen von Nüssen bzw. zum Knacken der Nussschalen. Nussknacker gibt es in verschiedenen Formen und Varianten." So steht es bei Wikipedia.de, nachzulesen hier.

Dekorative Nussknacker aus Holz werden gerne in der Vorweihnachtszeit als Zimmerschmuck aufgestellt. Der deutsche Dichter Heinrich Hoffmann (1809 - 1894, Struwwelpeter) hat ihnen sogar ein eigenes Lied gewidmet.



Lied des Nussknackers

König Nussknacker, so heiß ich,
Harte Nüsse, die zerbeiß ich.
Süße Kerne schluck ich fleißig;
Doch die Schalen, ei, die schmeiß ich
Lieber andern hin,
Weil ich König bin.
Aber seid nicht bang!

Zwar mein Bart ist lang,
Und mein Kopf ist dick
Und gar wild mein Blick;
Doch was tut denn das?
Tu kein'm Menschen was,
Bin im Herzensgrund,
Trotz dem großen Mund,
Ganz ein guter Jung.

Lieb Veränderung,
amüsier mich gern
Wie die großn Herrn.
Arbeit wird mir schwer,
Und dann mag ich sehr
Frommen Kindersinn,
Weil ich König bin.

Samstag, 5. Dezember 2009

Gedicht: Niklas ist ein guter Mann

Foto: Karl-Michael Soemer/pixelio.de

Es ist Nikolausabend. Millionen Kinder und auch noch so mancher Erwachsener stellen heute Abend ihre Stiefel vor die Tür. Sie vertrauen darauf, dass der Nikolaus sie über Nacht mit allerhand Leckereien füllen wird.

Der Nikolaus-Brauch ist seit dem Mittelalter bekannt. Damals war der Nikolaustag sogar der Höhepunkt der Adventszeit. Ein alter Mann mit langem weißen Bart und einer Bischofsmütze auf dem Kopf brachte die Geschenke: Äpfel, Nuss und Mandelkern.

Erst die Reformationszeit brachte eine Änderung, denn seither werden die größeren Geschenke an Weihnachten gebracht. Der Brauch um den Heiligen Nikolaus und seinen Knecht Ruprecht, die am 6. Dezember Süßes für die "guten" Kinder und die Rute für die anderen brachten, blieb jedoch weitestgehend erhalten.

Niklas ist ein braver Mann

Niklas ist ein braver Mann.
Bringt den kleinen Kindern was,
die großen lässt er laufen,
die können sich was kaufen.

Niklas, Niklas, guter Mann,
zieh die Sonntagsstiefel an,
reis damit nach Spanien,
kauf Äpfel und Kastanien,
lass die Großen laufen,
die können sich was kaufen.

Heiliger Sankt Nikolaus,
komm in meines Vaters Haus!
Leg mir schöne Sachen ein,
will ein braves Bübchen sein.

Niklas, komm in unser Haus,
schütt dein goldig Säcklein aus,
Stell den Esel an den Mist,
Dass er Heu und Hafer frisst.

Ruprecht, Ruprecht, guter Gast,
Hast du mir was mitgebracht?
Hast du was, dann setz dich nieder,
Hast du nichts, dann geh nur wieder!

Wo die Kinder folgen gern,
da bring ich Nuss und Mandelkern,
Äpfel, Birnen, Hutzeln und Schnitz
für den Hansl und Heiner,
für den Franzl und Fritz.

Knackt die Schale, springt der Kern,
Weihnachtsnüsse ess ich gern.
Komm bald wieder in mein Haus,
alter guter Nikolaus.



(Unbekannt)

Freitag, 4. Dezember 2009

Gedicht: Der Bratapfel

Foto: Aira/pixelio.de
Lecker, so ein Bratapfel, wenn's draußen ungemütlich wird. Das passende Gedicht dazu gilt als bayrisches Volksgut. Bei Wikipedia.de habe ich aber auch einen Hinweis auf Fritz und Emily Kögel als vermutliche Verfasser gefunden. Danach sind die Verse erstmals 1901 im Kinderbuch "Die Arche Noah" erschienen.

Der Bratapfel

Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel, der Kipfel,
der Kapfel, der gelbrote Apfel.

Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!

Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Matthias Claudius: Advent - Immer ein Lichtlein mehr

Dieses Adventsgedicht stammt von Matthias Claudius, 1740-1815, einem deutschen Dichter und Journalisten. Zu seinem Werk zählen u.a. die Dichtungen "Der Tod und das Mädchen" und das Schlaflied "Der Mond ist aufgegangen".

Advent - Immer ein Lichtlein mehr

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz - welch ein Schimmer!
Und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Advent á la Loriot

Der unnachahmliche Loriot hat uns ein ganz besonderes Adventsgedicht geschenkt. Zartbesaitete seien gewarnt: Es wird blutrünstig und böse...

Freitag, 27. November 2009

Gedicht: Heinrich Seidel - November

Foto: Joujou/pixelio.de


Huh, seit heute Mittag sind's spürbar ein paar Grade kühler geworden. Zwei Tage vor dem 1. Advent wird das Wetter also doch noch herbstlich. Zeit für eine aromatische Tasse Tee und ein Gedicht von Heinrich Seidel (1842-1906).

Heinrich Seidel studierte Maschinenbau und arbeitete als Ingenieur. Unter anderem entwarf er die Hallenkonstruktion des Anhalter Bahnhofs in Berlin. Sein Motto lautete "Dem Ingenieur ist nichts zu schwer" - heute ein geflügeltes Wort. Mehr Wissenswertes über den Schriftsteller finden wir bei Wikipedia.de, bitte hier klicken.



November
von Heinrich Seidel

Solchen Monat muss man loben, keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdrießlich sein und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen, keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht! Ja, es ist 'ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter! Und die armen welken Blätter.
Weil sie tanzen in dem Wind und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn' Unterlass: Ja, das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen! Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsstau, ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen: Wie sie pochen, wie sie klopfen!
schimmernd hängt's an jedem Zweig, einer dicken Träne gleich.

Oh, wie ist der Mann zu loben, der solch' unvernünft'ges Toben
schon im Voraus hat bedacht und die Häuser hohl gemacht;
so dass wir im Trocknen hausen und mit stillvergnügtem Grausen
und in wohlgeborg'ner Ruh solchem Greuel schauen zu.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Liebhaber in allen Gestalten


Dass Johann Wolfgang von Goethe (deutscher Dichter, Dramatiker, Politiker, 1749 - 1832) sein Leben lang dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan war, ist nun wirklich kein Geheimnis. Frauen waren für ihn Leidenschaft, Lust und Leid und vor allem - Inspiration für zahlreiche Liebesgedichte. Dieses hier ist lustig und modern zugleich. Denn mal ehrlich: Neigen wir Frauen nicht dazu, uns den perfekten Mann zurechtbiegen zu wollen?
Franz Schubert konnte sich mit dem Text offenbar ebenfalls identifizieren. Er vertonte ihn. Seltsam nur, dass bei Youtube.de nur Videos zu finden sind, auf denen Frauen das Lied singen.


Liebhaber in allen Gestalten


Ich wollt’, ich wär’ ein Fisch,
So hurtig und frisch;
Und kämst du zu anglen,
Ich würde nicht manglen.
Ich wollt’, ich wär’ ein Fisch,
So hurtig und frisch.

Ich wollt’, ich wär’ ein Pferd,
Da wär’ ich dir werth.
O wär’ ich ein Wagen,
Bequem dich zu tragen.
Ich wollt’, ich wär’ ein Pferd,
Da wär’ ich dir werth.

Ich wollt’, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold;
Und thätst du was kaufen,
Käm’ ich wieder gelaufen.
Ich wollt’, ich wäre Gold,
Dir immer im Sold.

Ich wollt’, ich wär’ treu,
Mein Liebchen stets neu;
Ich wollt’ mich verheißen,
Wollt’ nimmer verreisen.
Ich wollt’, ich wär’ treu,
Mein Liebchen stets neu.

Ich wollt’, ich wär’ alt
Und runzlig und kalt;
Thätst du mir’s versagen,
Da könnt’ mich’s nicht plagen.
Ich wollt’, ich wär alt
Und runzlig und kalt.

Wär’ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich’;
Hätt’ was dich verdrossen,
So macht’ ich dir Possen.
Wär’ ich Affe sogleich,
Voll neckender Streich’.

Wär’ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav;
Hätt’ Augen wie’s Lüchschen,
Und Listen wie’s Füchschen.
Wär’ ich gut wie ein Schaf,
Wie der Löwe so brav.

Was alles ich wär’,
Das gönnt’ ich dir sehr;
Mit fürstlichen Gaben,
Du solltest mich haben.
Was alles ich wär’,
Das gönnt ich dir sehr.

Doch bin ich, wie ich bin,
Und nimm mich nur hin!
Willst du bessre besitzen,
So laß dir sie schnitzen.
Ich bin nun, wie ich bin;
So nimm mich nur hin!

Samstag, 9. Mai 2009

Wort zum Muttertag

Der 10. Mai ist der 130. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 131. in Schaltjahren), somit bleiben 235 Tage bis zum Jahresende. (Quelle: Wikipedia.de)

Morgen fällt der Muttertag auf dieses Datum. Passend zum Anlass habe ich ein Zitat ausgewählt, dass sich wie alles unter mehreren Blickwinkeln betrachten lässt:

So mancher meint, ein gutes
Herz zu haben, und hat nur
schwache Nerven.

(Marie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916)

Die Ehe der Freifrau von Ebner-Eschenbach blieb übrigens kinderlos. Ihr um 15 Jahre älterer Ehemann unterstützte sie sehr auf ihrem Weg als Schriftstellerin.

Anne-Sophie Mutter spielt das Violinenkonzert in D Major 6/6 von Beethoven:

Sonntag, 15. Februar 2009

Nachklapp zum Valentinstag

Gestern war Valentinstag und einige von uns durften sich vielleicht über Aufmerksamkeiten ihrer Liebsten freuen - einen schönen Blumenstrauß, eine geheimnisvolle einzelne Rose vor der Wohnungstür, eine nette Geste, Zärtlichkeit, ein liebevoller Blick.

Ob der Valentinstag zur bloßen Geschäftemacherei verkommt oder eine willkommene Gelegenheit ist, liebevolle Gefühle zu zeigen, liegt letztlich ausschließlich an uns selbst. Der Tag ist jedenfalls keine Erfindung rühriger Geschäftsleute, sondern führt zurück bis ins Mittelalter, nachzulesen u.a. bei Wikipedia.

Danach wird der Valentinstag heutzutage zumeist auf die Sage des Bischofs Valentin von Terni zurückgeführt, der als christlicher Märtyrer starb. Der Legende nach hat er entgegen des kaiserlichen Gebots einige Verliebte christlich getraut, darunter auch Soldaten, die unverheiratet bleiben mussten. Mittlerweile wird der Valentinstag in vielen Ländern der Welt gefeiert, darunter auch China und Japan.

So ein Tag wie der Valentinstag ist ein netter Anlass, den Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten, danke zu sagen. Denn es ist keinesfalls selbstverständlich, dass sie bei uns sind:

Liebe, Liebste, in der Ferne,
wie so sehr entbehr' ich Dich!
Leuchteten mir milde Sterne,
ach, wie bald ihr Glanz erblich!


Wenn ich deine weichen Wangen
leis in meine Hände nahm,
und voll zärtlichem Verlangen
Mund zu Mund zum Kusse kam;


wenn ich deine Schläfen rührte
durch der Haare duftig Netz,
o, wie war, was uns verführte,
beiden uns so süß Gesetz!


Und nun gehst du fern und einsam.
Ach, wie achtlos spielt das Glück!
Bringt, was einmal uns gemeinsam,
noch einmal sein Strom zurück?


Liebe, Liebste, in der Ferne,
wie so sehr entbehr' ich dich!
Leuchteten uns milde Sterne,
ach, wie schnell ihr Glanz erblich!

Christian Morgenstern, deutscher Lyriker, 1871-1914


Einen schönen Sonntag noch!

Hartmut Schories rezitiert Liebe, Liebste, in der Ferne von Christian Morgenstern:

Dienstag, 6. Januar 2009

"Winterabend" von Theodor Fontane

Wenn der Start ins neue Jahr ein Omen ist, dann wird 2009 für mich lustig, kurios und Herz erwärmend. Ich freue mich darauf und wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern nur das Allerbeste!

Zum Wiedereingewöhnen ins Blogschreiben gibt es heute erst einmal ein (Liebes-)Gedicht, passend zur Jahreszeit.

Winterabend

Da draußen schneit es: Schneegeflimmer
Wies heute mir den Weg zu dir;
Ein tret' ich in dein traulich Zimmer,
Und warm ans Herze fliegst du mir -
Ab schütt'l ich die Winterflocken,
Ab schütt'l ich hinterdrein die Welt,
Nur leise noch von Schlittenglocken -
Ein ferner Klang herübergellt.

"Nun aber komm, nun lass uns plaudern
vom eig'nen Herd, von Hof und Haus!"
Da baust du lachend, ohne zaudern,
bis unters Dach die Zukunft aus;
Du hängst an meines Zimmer Wände
All meine Lieblingsschildereien,
Ich seh's und streck' danach die Hände,
als müss' es wahr und wirklich sein.

So flieht des Abends schöne Stunde,
vom fernen Turm tönt's Mitternacht,
Die Mutter schläft in stiller Runde
Nur noch die Wanduhr pickt und wacht.
Ade, ade! von warmen Lippen
Ein Kuss noch - dann in Nacht hinein:
Das Leben lacht, trotz Sturm und Klippen,
Nur Steurer muss die Liebe sein.

Theodor Fontane
Wer sich ein wenig näher mit dem Dichter Fontane beschäftigen möchte, ist auf der Seite http://www.fontaneseite.de gut aufgehoben.

Der heutige Musikbeitrag ist von Schiller mit Heppner: I feel you:

Donnerstag, 13. November 2008

Dein Engel von Karl May

Der deutsche Schriftsteller Karl May ist hierzulande vor allem durch seine Winnitou-Romane bekannt. Aber er war auch ein sehr inspirierter Dichter. Passend zur Jahreszeit eine Kostprobe:

Der Engel

O glaube nicht, du seist verlassen,
wenn dir kein Mensch zur Seite steht.
Lern nur den leisen Hauch erfassen,
der, wenn du klagst, dich lind umweht.

Es zieht ein sinnenfremdes Mahnen
dein geistig Wesen zu sich hin:
"Willst du, willst du denn gar nicht ahnen,
dass ich, dein Engel, bei dir bin?"

O wolle nicht darüber trauern,
dass dich kein Mensch im Herzen trägt.
Dort, jenseits unsrer Kirchhofsmauern,
gibt's einen Puls, der für dich schlägt.

Er hat für dich schon hier geschlagen
und fühlst du ihn, so sagt er dir:
"Du wirst auf Flügeln stets getragen;
ich bin dein Engel; glaub es mir!"

O lass dir nicht ins Auge steigen
des Leides stille Tränenflut.
Wiss, dass grad in den schmerzensreichen
Geschicken tiefe Weisheit ruht.

Grad in des Lebens schwerste Stunden
spricht tröstend dir dein Engel zu:
"Durchs Leiden hast du mich gefunden;
ich bin getrost; nun sei's auch du!"

Robbie Williams singt Angels: